10.06.2018 Vatertag, den Drohnen zu Ehre

Der Höhepunkt im Bienenjahr, Vatertag.  In diesen Tagen sind sowohl das Volk, als auch die Anzahl Drohnen im Volk auf ihr Maximum gestiegen.

Die Königin legt bis zu 2000 Eier am Tag und ebenso viele schlüpfen. Arbeiterinnen sind 21 Tage in der Zelle, 20 Tage im Stock und danach noch 20 Tage im Aussendienst sammeln. Hochgerechnet kommt man auf 40.000 Bienen die als Brut wachsen. 40.000 Bienen arbeiten im Innendienst und bis zu 40.000 – 50.000 im Aussendienst. Insgesamt gibt es also bis zu 120.000 Lebewesen, pro Wirtschaftsvolk. Die 4 Wirtschaftsvölker und 4 Ableger, die momentan in Stadtmauerhonig Beuten mit nur ein paar tausend Bienen sitzen, ergeben somit eine halbe Million Bienen auf nicht mal 2 m².

Ein Teil dieser Bienenmasse bringt doch einiges an Unruhe und es gibt sie nur für ein paar Wochen im Jahr: die Drohnen.

Vatertag und die Drohnen

Im Bienenvolk gibt es 3 unterschiedliche Bienenwesen.

  1. Die Königin ist als einzige in der Lage befruchtete Eier zu legen.
  2. Die Arbeiterinnen entstehen aus befruchteten Eier
  3. Die Drohnen: die Königin legt unbefruchtete Eier aus denen sie entstehen. Die Drohnen haben sozusagen nur die DNA der Königin. Deren einziges Ziel ist es bei einem Hochzeitsflug möglichst eine Königin zu finden und bei der Begattung möglichst sehr viel Samen und somit DNA des Drohnenvolkes in einem neuen Volk zu hinterlassen.

Fett, faul und dumm

So hat Nobelpreisträger und Entdecker des Bienentanzes, der Österreicher Karl von Frisch, die Drohnen genannt.

Drohnen Bild zu Vatertag
Fett, faul und dumm, eine Drohne auf eine Brutwabe zu Vatertag

Fett: Wie man am Bild erkennt, sind Drohnen viel größer als die anderen Bienen im Volk.

Faul, da sie keine einzige Aufgabe im Volk übernehmen können. Sie haben nicht mal einen Stachel zum Kämpfen. Sogar noch schlimmer:

Dumm, da sie sogar nicht in der Lage sind, selber Nahrung zu finden und von den Arbeiterinnen gefüttert werden müssen. Von allen Bienen haben die Drohnen das kleinste Gehirn.

 

Fazit: Drohnen haben eine fast komplett parasitäre Existenz im Volk.  Ein typisches Beispiel von evolutionärer Extravaganz, da umso grösser und stärker das Volk, umso mehr und umso fettere Drohnen kann es sich leisten.

Kurze Lebensdauer

Die Drohnen leben nur einige Wochen, die Arbeiterinnen sind immer weniger gewillt die „Männer“ zu pflegen und zu ernähren und irgendwann gibt es dann die Drohnenschlacht. Aber mehr werde ich in ein paar Wochen dazu erzählen, wenn wir dazu Bilder teilen können. Heute ist Vatertag und wir wollen uns etwas ausführlicher dem männlichen Wesens in der Beute widmen. Am Vatertag werden die Drohnen in der Beute noch gut ernährt und kriegen alles was sie brauchen, um kurz nach Mittag für etwas längere Zeit auf der Suche nach unbefruchteten Königinnen auf Hochzeitsflug zu gehen.  Ein reges Treiben herrscht am Flugloch, wenn die Herren losfliegen und gleichzeitig Arbeiterinnen noch am Sammeln sind.

Sex

Den schnellste Tod haben die erfolgreichen Drohnen. Nämlich die, die es schaffen eine Königin zu begatten. Im Flug kommt es zum Geschlechtsakt. Der Drohn penetriert die Königin, seine Geschlechtsorgane reißen aus seinem Körper und er stürzt Tod zu Boden. Die begattete Königin fliegt Heim. Als erstes Willkommensakt putzen sie die Arbeiterinnen, und holen die letzten Reste des Mannes aus der Königin heraus. Wenn es gut geht, hat die Königin bis zu 1,5 Million Samenzellen heimgebracht und wird davon noch einige Jahre Nachkommen zeugen können. Das Schicksal der anderen Drohnen besprechen wir in ein paar Wochen 😉

 

 

03.06.2018 die Revolution bei der Fetten

Wie im ersten Beitrag von Mai beschrieben, gab es deutliche Zeichen, dass die Bienen von der Fetten mit ihrer Königin nicht mehr zufrieden waren, nun hat sich die Revolution vollzogen.

Revolution bei den Bienen?

Unsere Wahrnehmung ist eigentlich ziemlich ethnozentrisch: von unserer Perspektive heraus, betrachten wir die Königin als Kopf des Staates. Die Königin ist wahrlich die am besten gepflegte und geschützte Biene und wird meistens auch die Älteste. Eine Rangordnung im Staat gibt es nicht. Tatsächlich verhält es sich aber so: wenn die Königin nicht die Leistung bringt die das Volk von ihr erwartet, gibt es eine stille Umweiselung. Die Bienen legen Weiselzellen an und ziehen sich aus Eiern, die die Königin selber gelegt hat eine neue Königin gross. Kurz vor dem Schlüpfen der neuen Königin, zieht die alte Königin mit einer Anzahl Bienen entweder aus (Schwarm), oder sie bleibt und wird später schlichtweg umgebracht.

Revolution mit Marsch der Arbeiterinnen zur König und Königin in Versailles
In der Französischen Revolution gab es eine Kehrtwende als die Damen im Marsch auf Versailles die Königsfamilie zum Umzug nach Paris zwang.

 

Stichwahl verschoben?

Anfang Mai haben wir die beiden bestifteten Weiselzellen entfernt, und dadurch 2 Wochen Ruhe erkauft und das Schwärmen verhindert. Am 13.5. war keine Schwarmneigung zu sehen. Weiselzellen waren nicht vorhanden, war es eine trügerische Ruhe?

Am 20.5. stellte sich heraus, dass wir offensichtlich doch zu schnell geschaut hatten:

Da hat sich das Volk wieder sehr stark zu Wort gemeldet und ganze 19 Weiselzellen angelegt, wovon 13 bestiftet, und 2 bereits verschlossen waren. Das Verschliessen von Weiselzellen geschieh erst nach 8 Tagen, also waren die Zellen bereits am 13.5. vorhanden. Das Volk hat entschieden und wollte also die Alter Dame loswerden. Da doch sehr viel Platz im Brutnest leer war, ist unsere Vermutung, dass die Legeleistung und damit einhergehende Pheromonproduktion der Königin zu niedrig war. Das ist ein chemische Reiz  fürs Volk, um sie zu ersetzen. Mehr ausführliche Info findet ihr auf dieser Seite.

Was nun?

Da dieses doch unser bestes Wirtschaftsvolk ist (sehr ruhig und fleissig beim Aufbau und in der Honigproduktion), wollten wir das Volk so lange es geht zusammenhalten und den Honigertrag nicht verlieren.  Wenn uns die alte Königin mit vielen Bienen abgeschwärmt wäre, reduziert sich die Honigproduktion im bleibende Volk drastisch. Auch der Schwarm, falls wir den finden und fangen würden, wird zuerst aufbauen und nichts mehr einlagern wollen/können. Also geben wir dem Volk was es will und versuchen den Schwarmtrieb zu entfernen.

Ableger  Nr. 4

Zuerst haben wir die Chance genutzt und ein Rähmchen mit geschlossenen Weiselzellen und ein Futter-Rähmchen in einen neuen Ableger gestellt. Damit war wieder Bauplatz im Brutraum frei. Um sicher zu gehen, dass das Volk nicht schwärmt, haben wir die Königin, mit Schmerz im Herz, „abgedrückt“ und zu den Bienen gelegt. Damit diese sofort trauern könnten. Sofort wird sie von vielen Arbeiterinnen besucht. Da aber bereits verschlossene Weiselzellen vorhanden sind, ist schnell wieder Ruhe eingekehrt. Die letzten Eier werden groß gezogen, Brut wird ausgebrütet, es wird gebaut und Honig eingelagert.

Die Revolution bei der Fette hat uns einen extra Ableger besorgt
Nach der Revolution haben wir 4 Wirtschaftsvölker und 4 Ableger

Wie geht es weiter?

Wenn alles nach Plan läuft, werden bald beide Prinzessinnen schlüpfen. Die Woche drauf findet dann der Begattungsflug statt. Wenn alles gut läuft, wird die eine Königin das alte Volk weiter „führen“, und die neue wird ein neues Volk gegründet haben.

Im alten Volk wird es dann eine Brutpause von nicht mal 2 Wochen geben. Bis Ende Juni wird die letzte Brut der alten Königin als Nektarsammlerinnen ihre Arbeit aufnehmen, und noch bis Mitte Juli Nektar sammeln gehen. Da die neue Königin nicht sofort mit Hochleistung legen wird, wird das Volk ab Mitte Juni langsam kleiner werden. Falls wir bei den anderen Völkern zu viele Bienen und Brut haben, könnten wir diese dazugeben, um es zu unterstützen.

 

27.05.2018 Die Linde blüht, aber ohne Bienen?

Ja,… der Blitzfrühling geht nun fast in den Sommer über. In der Natur ist die erste grosse Sommertracht, die Linde, bereits in voller Blüte. 4 Wochen zu früh…

Die Linde honigt nicht?

Um für diese Tracht bereit zu sein, wollten wir diese Tage schleudern. Jedoch wurden wir nun überrascht wie schnell die Linde schon blüht. Beim genaueren hinhören stellen wir jedoch fest dass es dort nicht summt? Kein einziger Bestäuber ist auf den Linden.

Ist die Linde giftig für die Bienen?

In mehreren Ländern wird im Sommer oft über Massen von toten Bienen unter den Linden berichtet.  Die Tilia Tomentosa, bei der das beobachtet wird,  ist eine der spätblühenden Linden. In den Regionen wo dies Auftritt ist die Linde oft die späteste Massentracht. Da es aber dann teilweise zu trocken ist, bringt diese zu wenig Nektar. Die Sammlerbienen fliegen vom Duft angezogen hin, verhungern aber wegen zu wenig Nektar, sterben und fallen zu Boden. Dass tritt normalerweise erst Ende Juli auf. In der Tat ist die Linde aber nicht giftig.

Was ist mit den Stadtmauer Honig Bienen, wo sind sie denn?

Die Damen sind voll im Trachtrausch, jedoch nicht bei den Linden. Auf den Flugbrettern kann man auch einige Drohnen sehen.

Was ist denn so köstlich?

Dieser Blitzfrühling war sehr sonderbar. Bis Anfang April Frost, und seit 7 Wochen fast durchgehend über 20°C. Alles hat fast gleichzeitig geblüht. Die Nektarinen und Marillen haben kaum Früchte, da die Birnen bevorzugt wurden (und voll Früchte sind). Trifft das gleiche Schicksal nun auch die Linde? Es riecht gegenüber der Eisdiele IsolaBella so süßlich.  Unser bester Honig hat im letzten Jahr doch auch so geschmeckt?

 

Der Liguster ist es!

Unter die Linde blüht eine Liguster.
Unter den Linden blüht der Liguster. Da fliegen die Bienchen hin.

Und ja, da sind wir fündig. Es summt in Volltracht beim Liguster.

 

Unseren Honig findet ihr im Shop auf www.oegreissler.at.

 

 

18.03.2018 und noch einen Wintereinbruch mitte März

Nur einige Tagen durften wir den Frühling genießen. Nun mitte März ist der Wintereinbruch mit bis zu -6°C wieder da.

Wie geht es den Bienen?

Die Damen haben sich wieder völlig in eine Wintertraube zurückgezogen. Wie im Beitrag vom 25 Februar beschrieben, haben wir damals diese Rähmchen zur Dämmung eingelegt. Ziel war es das sich entwickelnde Brutnest besser vor der Kälte Ende Februar zu schützen.

Wintereinbruch bei den Bienen
Wintereinbruch mitte März 2018 alle Bienen bei den Hammiets zwischen den Dämmrähmchen bei der Brut

Während des frühlingshaften Wetters letzte Woche haben wir die Beute verkleinert. Dazu haben wir weitere leere Rähmchen entnommen und die Bienen um das Brutnest herum eingeengt: 2-3 Rähmchen Brutnest in der Mitte, daneben hängen halbvolle bis volle Futterwaben und als Abschluss beidseitig die helleren Dämmrähmchen. Ausserhalb der Dämmrähmchen (hier auf der linken Seite) hängen fast leeren Futterrähmchen. Diese verbleiben, damit die Bienen bei wärmerem Wetter das restliche Futter von dort in den eingeengten Brutraum eintragen.

Wieso einengen?

Es gibt mehrere Gründe die Bienen einzuengen. Wir machen es hauptsächlich aus hygienischen Gründen. Alle leeren Waben kommen raus, damit sich dort keine Pilze oder Krankheiten und Schädlinge einnisten. Sobald das Brutnest voll ist, hängen wir frische Mittelwände dazu, die komplett neu ausgebaut werden. Mehr dazu in späteren Beiträgen.

Was ist aus der Brut von vor dem Wintereinbruch von Februar geworden?

 

Die Folgen der Massnahmen von vor 5 Wochen, vor dem ersten grösseren Wintereinbruch, ist an der Bienenmasse bereits zu bemerken. Die Brut wurde erfolgreich warm gehalten und nun sind erheblich mehr neue Bienen in den Beuten als noch vor 4 Wochen.

Wie sieht es mit dem Frühling und der Nahrung aus?

 

Futter ist in den Beuten nach dem Einengen noch ausreichend vorhanden. Normalerweise sind ende März schon ein paar Wochen ausreichend frischer Pollen vorhanden. Dieser dient als Futter für die Brut. Da nach dem erneuten Wintereinbruch die meisten Weidekätzchen noch nicht ausgelaufen sind, wird es eine Explosion an Pollen geben, sobald diese Kältephase vorbei ist.

Die Haselnüsse, Birken, Weiden und viele Osterblumen werden alle auf einmal auslaufen. Das wird zwar unschön für die Allergiker (ein Tagesbericht dazu gibt es  bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik), gleichzeitig schafft dieses Wetter ein massives Pollenangebot für die Bienen.  Falls zu wenig Nektar zur Verfügung steht, gibt es ein kleines Risiko, dass die Sammlerinnen zu viel Pollen eintragen und kein Platz mehr für die Brut oder später Nektar ist. Dann werden die Bienen unruhig  und schwärmen so gegen mitte April.

Um das zu vermeiden, schaffen wir Platz , sobald das Wetter besser wird. Dann werden die Beuten vergrößert und mit neuen leeren Mittelwände bestückt. Diese auszubauen, wird dann gleich eine der ersten Aufgaben sein.

 

11.02.2018 Bienen und Hühner, eine Symbiose?

Wir haben unsere Bienen letzte Woche umgestellt im Hühner Gehege um eine Symbiose her zu stellen.

Die Vorteile vom neuen Standort:

  1. Das Flugloch ist nun gen Südosten ausgerichtet, damit bei schönem Frühlingswetter etwas früher die Sonne reinkommt. Damit wollen wir bewirken, dass es etwas früher am Tag warm ist und die Bienen stimuliert sind und so eine längere Tageszeit haben, wo die Königin stiftet (Eier legt). Ziel ist es früher mehr Brut im Frühjahr zu haben. Zum Thema Wichtigkeit der Frühlingsbrut bei unseren Carnica Bienen schreibe ich später noch einen Beitrag.
  2. Im Süden stehen einige Büsche und Bäumchen, die im Sommer ab Mittag die Beuten beschatten.
  3. Der wichtigste Standort Parameter bei uns im Marchfeld ist der Wind. Bienen haben es nicht gerne windig. Am neuen Platz sind die Beuten von Büschen und Bäumchen im Süden, und von Betonsockel mit Wind- & Sichtschutz im Westen etwas beschützt. Sie haben eine freie Flugbahn Richtung Osten.
  4. Sie stehen jetzt mitten in unserer Hühnerwiese. Solange die Hühner nicht auf die Beuten picken, gibt es eine schöne Symbiose. Unsere „Kampfhühner“ (wie sie liebevoll von uns genannt werden), schützen die Beuten tagsüber gegen andere Vögel und Nagetiere (eine Maus die sich im Gehege verirrt hatte, überlebt maximal 3 Sekunden und Spechte und Krähen trauen sich nicht hinein). Dafür kriegen sie ab und zu Leckerbissen der Bienen: beim Putzen entsorgen die Bienen Eier und Maden, bei denen etwas nicht stimmt, oder kranke Bienen. Diese sind bei den Hühnern als Proteinquelle sehr beliebt . Bei Schneefall finden die Hühnern unter den Beuten ein schönes trockenes Plätzchen, wo es noch etwas Gras zum knabbern gibt

Die Nachteile vom neuen Standort

  1. Die Nähe zum Gebüsch bring auch den Nachteil, dass es nachtaktive Nagetiere gibt, die versuchen könnten in die Beuten zu kommen, um Maden oder Honig zu essen
  2. Da die Abstände zu den Nachbarparzellen in Niederösterreich geregelt sind, sind wir etwas zu weit weg vom hinteren Zaun, um den optimalen Schutz bei Ostwind zu haben.

 

Nun warten wir weiter auf den Frühling…

 

Bienen Hühner Symbiose