23.8.2018 Ein Fluchtschwarm will einziehen

Seit Ende Juni ist der Winter vorbereitet. Als Teil der Vorbereitung habe ich am Donnerstag den 23.8. bei allen Völkern eine Durchsicht gemacht. Dann landete einen Fluchtschwarm…

Beim vorletzten Volk (ein Neues: die Eckhardts, mit Königin Hinky: auch noch eine Geschichte, die geschrieben werden möchte), nehme ich den Deckel runter, drehe mich um, um ihn zur Seite zu legen und auf einmal, ein magischer Augenblick… tausende Bienen kreisen friedlich und summen um mich herum…

Der Schwarm

 

Die Bienen, die bereits gelandet sind, stecken alle den Hinterleib in die Höhe und fächern unentwegt mit den Flügeln. Damit wollen sie das Pheromon der Königin für die Nachzügler verteilen. Wo kommen die Damen aber her? Ich sehe auf einmal einen roten Punkt. Da ist eine neue 2018-er Königin. Mist, habe ich es verbockt und ist eine Königin beim Durchschauen ausgeflogen? Ist mir die Hinky, die ich gerade kontrolliert hatte ausgebüxst und hat die Bienen mitgenommen? Aber doch nicht so viele auf einmal. Ein paar Dutzende vielleicht Hundert, ja, aber dieser Menge? So schnell? Und die Bienen sind viel zu ruhig verglichen mit den gereizten Damen, die die Beute verlassen haben, als sie sich von mir gestört fühlen.

Als erstes habe ich schnell den Deckel bei den Eckhardts geschlossen. Falls es die Königin der Eckhards ist, möchte ich verhindern, dass mehr Bienen vom Volk abhauen. Danach die Königin suchen um Klarheit zu haben. Die Hinky hat nämlich ein Glied am Vorderbein zu wenig (daher Hinky), die erkenne ich schnell.

Eine fremde junge Königin

Derweil kommen immer mehr Bienen dazu und landen zwischen den Hammiets und den Michis. Wenn es ein Schwarm von uns ist, werden die sich doch nicht zwischen 2 andere Völker direkt am Stand niederlassen. Eine Traube formt sich unter dem Varroagitter der Michis.

Meine herbeigeeilte liebevolle Frau sieht sie zuerst.

Was für ein Geschenk!

Die Königin ist wahrscheinlich tatsächlich eine neue vom Jahrgang 2018. Sie wurde mit der Zahl 61 am Rücken gekennzeichnet.  Also eine Königin mit Kennzahl drauf, das ist doch nicht in etwa eine junge begattete Reinzuchtkönigin? Da kommt eine Dame in Wert von 50€ mit ein paar kg Bienen zu uns geflogen, just in dem Jahr wo wir so Schwierigkeiten hatten mit der eigenen Königinnenzucht.

Was für ein Geschenk!

Aber wieso jetzt, Bienen schwärmen doch im Frühjahr, nicht im Spätsommer oder im Herbst. Und es schwärmt doch auch keine junge Königin, es ist die alte die normalerweise losfliegt?

Einfangen

Zuerst aber erstmal versuchen Katastrophen zu vermeiden.  Die Königin versucht bei einen der Völker einzuziehen, um dort den Laden zu übernehmen. Das kann nur in einem Gemetzel enden. Wahrscheinlich gewinnt dann die Alte und wir verlieren eine der beiden Königinnen und einen Menge Bienen dabei.

Tatsächlich erscheint sie auf einmal beim Flugbrett der Michis. Schnell handeln ist angesagt: meine Frau hat sofort zugegriffen und die Dame festgenommen.

Die anderen Bienen sind immer auf der Suche nach dem Pheromon ihrer Königin. Daher werden sie dieser in Ruhe folgen, sobald man diese eingefangen hat.

Aber wohin damit?

Unseren Völker am Stand haben wir bereits Anfang August auf eine Zarge eingeengt. Also ist eine leere Zarge schnell gefunden. Da wir nur mit 6 Völker gerechnet haben, fehlt jedoch ein Boden und ein Deckel. Wenn wir eines aus unseren ersten Königinnenzucht Versuchten gelernt haben,  dann ist es dass wir nächstes Jahr Königinnen Kästchen benötigen. Eine Schwarmkiste bräuchten wir jetzt auch noch. Also improvisieren wir ein Not-Auffanglager. Eine leere Futterzarge kopfüber als Einflugschneise, eine andere obendrauf als Deckel. Dann Königin drin und zu machen. Nicht mal 3 Sekunden in Freiheit und bevor das wir es schließen können, fliegt sie wieder weg.

So, also noch einmal einfangen, ein paar leere Brutwaben und eine Futterwabe mit Honigresten in unser Konstrukt hineinhängen und die Königin kommt wieder rein.  Nun klappt es, der vorgetäuschte neuer Nistplatz wird angenommen.

Aus einem Kirschbaum, wo sich offenbar ein Teil des Fluchtschwarms niedergelassen hat, dreht sich ein spiralförmiger sich im Uhrzeigersinn drehender Wirbel an Bienen langsam in die Ersatz Auffangbeute. Bis am Abend sind alle drin.

Ein Fluchtschwarm

Ein Volk schwärmt im Herbst nicht aus Spass an der Sache. Alle Brut mit den notwendigen Winterbienen wird dem sicheren Tod zurückgelassen. Die Zeit fehlt, um anderswo Waben für ein neues Zuhause für den Winter aufzubauen. Es gibt kaum noch Tracht um Wintervorräte anzulegen. Das Volk hat also wahrscheinlich aus Not gehandelt. Das kann man sich so vorstellen: es geht dem Volk am Standort, wo sie sich befinden dermaßen schlecht, dass sie sich sicher sind den Winter nicht zu überleben. Darum lassen sie alles zurück und versuchen anderswo durch zu starten.

Wieso flüchten Bienenvölker?

Es gibt mehrere Gründe wieso Bienenvölker sich an einen sonnigen Herbsttag entscheiden das Zuhause als Fluchtschwarm zu verlassen. Hauptgrund ist, wie so oft wenn was schief läuft, vermutlich ein Fehler des Imkers.

1. Hunger

Ein Grund ist Hunger. Im Sommer müssten sie die Wintervorräte eigentlich komplett angelegt haben. Unsere Bienen produzieren so um die 60 kg Honig pro Volk. Sie brauchen 10-15kg für den Winter. Im Juli/August schleudern wir den größten Teil heraus. Nach dem letzten Schleudern reduzieren wir den Wohnraum des Volkes auf den Winterraum: also von 2 Brutzargen auf eine und alle Honigzargen kommen weg. Eine Vollzarge hat im August so an die 6 Waben Brut und ca. 6-10 kg Honig in den Randwaben. Der Sommer ist trocken, die Tracht geht zu Ende aber es gibt weiterhin viel Brut. Die Bienen verbrauchen jetzt mehr Honig als was eingetragen wird. Die Wochen vorher, könnte der Imker zu viel Honig geschleudert haben, und hat kein oder zu wenig Ersatzfutter gegeben.

Das Volk hungert.

Es kommt in Schwarmstimmung und die hungernden Bienen schicken Kundschafter los, die einen Standort suchen, bei dem sie mehr Nahrung vermuten. Wir haben sofort nach den Umbau und die Woche drauf unseren Völkern Zusatzfutter gegeben, damit sie die Winterreserven aufstocken. Da ist es gut möglich, dass die Kundschafterinnen vom schwärmenden Volk dieses gerochen haben. So könnte es zur Entscheidung gekommen sein, zu unserem Standort um zu ziehen.

2. Krankheit

Wenn sich Krankheiten im Volk verbreiten, kann es sein, dass die Bienen versuchen zu fliehen um mittels eines Neustarts an einem anderen Standort noch ausreichend gesund in den Winter zu gehen.

Seit vielen Jahren kämpfen die Bienen ums Überleben wegen der Varroa Milbe. Bei zu vielen Milben im Volk , kommen aus der Brut kaum noch gesunde Bienen. Das kann ein Grund sein zu fliehen. Da um diese Jahreszeit 70%-80% der Milben in der Brut sitzen, wird so das Milbenproblem erstmal kurzfristig reduziert. Bei einem geschwächten Volk, das ja auch weiterhin mit Milben versehen ist, ist jedoch ohne sofortiger Behandlung das Überleben recht fraglich.

3. Behandlung gegen die Milbe

Um die Milben zu bekämpfen, gibt es mehrere Methoden. Diese bespreche ich in einem Varroabeitrag, der später folgen wird. Eine Behandlung im Sommer ist  z.B. Ameisensäure im Volk verdunsten zu lassen. Die Ameisensäure schädigt die Bienen, viel mehr jedoch sterben die Milben dadurch massenweise ab. Wenn nun durch zu warmes Wetter zu viel der Säure zu schnell verdunstet, leiden die Bienen sehr stark. Dann kann es vorkommen, dass sie versuchen den  Stock zu verlassen.

Was tun?

Wenn der Fluchtschwarm vor Krankheit geflohen ist, fliegen auch viele angesteckte oder kranke Bienen mit im Fluchtschwarm. Viele Bienen, die am Bienenstand landen, werden sich bei unseren stärkeren Völkern einbetteln.

Die Windel der Jucox zeigt Kampfspuren (Flügel, und andere Gliedmassen), wohl nicht alle vom Fluchtschwarm Zugezogenen waren willkommen.

Vergasen und Verbrennen erkrankter Völker

Wir informieren uns was zu tun ist mit den Fluchtschwarm. Ein Profimker empfehlt uns den Schwarm sofort abzuschwefeln (also die Bienen zu töten), um potentielle Krankheiten zu vermeiden. Wir versuchen möglichst viele Bienen vom Fluchtschwarm einzusammeln. Standardprozedur wäre ein Schwefelstäbchen beim Schwarm anzuzünden. Innerhalb weniger Sekunden sterben alle Bienen. Die Reste vom Volk werden dann verbrannt, um alle Erreger zu töten.

Wir sind doch keine Massenmörder?

Naiv wie wir sind, haben wir es nicht übers Herz gebracht und uns eine Alternative überlegt.

Abends als alle Bienen drin waren, haben wir sie nass gespritzt und in einen metallenen Papiermistkübel gegossen. Verschlossen wurden sie mit einem Holzdeckel. Dann kamen sie ohne Nahrung in die sogenannte „Kellerhaft“.

Fluchtschwarm in Kelleraft im Ikea Papierkor

Dort sollten sie ca. 3 Tage hungern. Nach 2 Tagen ungefähr sind die Honigblasen und Darmtrakte leer und somit mögliche Erreger ausgeschieden. Die ersten kranken Bienen sterben und fallen runter. Nach 3 Tagen sind alle kranke und schwächere Bienen gestorben. Überleben tun die gesunden Bienen die den Grundstock für das neue Volk bilden (so zumindest die Theorie).

Wir haben einen Quarantäne Standort bei eine Freundin im Waldviertel gefunden, wo im Umkreis von 6 km keine Bienenstände sind . Damit würde der Fluchtschwarm keine andere Völker anstecken, und es gäbe auch keine Räubereien durch andere Bienenvölker.

Der „billigste“ Honig für ein Volk ist der geklaute Honig. Starke Völker räubern ohne Gnade die Schwachen aus, diese verhungern dann und kommen nicht durch den Winter. Da das Wetter nach der Umsiedlung schlecht war, konnte keine sofortige Stoßbehandlung mit Oxalsäure gegen die Milben erfolgen.

Wie ist es dem Völkchen ergangen?

Im nachhinein, hat das Volk vom Fluchtschwarm wahrscheinlich unter Varroa gelitten. Die Tage nachdem der Schwarm bei uns war, war die Anzahl Varroa Milben auf der Windel bei den Michis und Jucox sehr erhöht. Bei den Michis waren die meisten der 61-er Königin unter der Beute am Anfang gefolgt .

Unseren jüngsten Ableger von Anfang Juli hat fast die Bienenmasse verdoppelt. es scheint dasss viele Bienen vom Fluchtschwarm dort eingezogen sind.
Unser jüngster Ableger von Anfang Juli hat die Bienenmasse über Nacht fast verdoppelt. es scheint, dass sehr viele Bienen vom Fluchtschwarm dort eingezogen sind.

Die Jucox standen am nähsten zum erwähnten Kirschbaum. Dort haben sich wahrscheinlich viele Bienen vom Schwarm erfolgreich eingebettelt…

Als wir 3 Tage später zu unserem geretteten Volk kamen, um vor dem Verschließen der ersten Brutzellen die Varroabehandlung durchzuführen, erwartete uns ein trauriges Bild.

Viele Toten Bienen am quarantène Stand vom Fluchtschwarm
Viele tote Bienen am Quarantäne Stand

Viele Bienen lagen tot vor der Beute. Das deutet auf Milbenbefall oder auf eine Vergiftung, bei der die Bienen kurz vorm Sterben den Stock verlassen. Das gerettete restliche Volk wurde mit Oxalsäure gegen die Varroamilben behandelt. Eine Woche später war es dann jedoch vorbei: Wespen sind über das kleine Volk hergefallen. Alle Futtervorräte waren gewaltsam aufgebrochen und überall lagen am Boden gestückelte Bienen und Wespenteile.

Der Rest vom Brutnest, alles Tod und die Brut verlassen
Der Rest vom Brutnest und die Brut verlassen

Das kleine Brutnest mit etwas verdeckelter Brut war verlassen, keine hat es überlebt 🙁

Im Nachhinein betrachtet, war die Empfehlung bei Fluchtschwärme (schwefeln), so, wie es der Profiimker tun würde, wohl die humanere gewesen… vielleicht hätten wir die junge Königin in einem kleinen Königinnen Kästchen mit ein paar gesunde Bienen noch retten können. Wir wissen es nicht.

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