15.04.2018 Honigraum aufsetzen

Die schnelle Frühlingsentwicklung (Ringlotten, Marillen, Nektarinen und Birnen blühen alle in der gleichen Woche) bringt eine Flut an Nektar und Pollen.  Die Königinnen stiften in sehr großen Zahlen. Fast jeder Wabe im ersten Brutraum hat nun Stifte (Eier) oder bereits Brut. Ausnahme sind die Randwaben, in denen Futter lagert.  Wegen des sehr grossen Nektarangebots und der guten Verfassung der Völker, haben wir bei den stärksten Völker letzte Woche bereits einen weiteren Brutraum aufgesetzt. Bei einigen Völkern setzten wir heute den erste Honigraum auf, und mit etwas Glück gibt es in ein paar Wochen den ersten Honig.

Honigraum?

Wir benutzen Flachzargen im Zander Kranz System. Diese Zargen sind weniger hoch als die Vollzargen. Sind die Flachzargen voller Honig wiegen sie bis zu 25kg. Die Vollzargen würden bis zu 40kg wiegen, was zu schwer ist für ein einfaches Hantieren. Wir benutzen Vollzargen für das Brutnest unten, und der Honig wird oben in die Flachzargen gelagert.  Der Honigraum ist der Bereich über dem Brutnest wo die Bienen von oben nach unten den Honigvorrat anlegen.

der Honigraum wird aus den schmalen Zargen gebaut
Unsere neuen Zargen sind frisch gestrichen: unten stehen die Flachzargen, die später oben in der Beute als Honigraum aufgesetzt werden

 

Wie setzt man den Honigraum auf?

Das geht bei gutem und stabilem Wetter und bei Tracht und Flugverkehr recht entspannt (siehe Video von den Daniels): Deckel weg, unter die Plastikfolie Rauch reinpusten, damit sich die Bienen nach unten zurück ziehen, Flachzarge drauf, Folie und Deckel zu und fertig.

Wählerische Bienen?

Normalerweise dauert der Frühling etwas länger und die erste große Tracht ist die Kirschblüte. Da nun fast alles gleichzeitig blüht, ist auffällig wie wählerisch die Bienen sind. Die kleinen Obstbäumchen, die neben der Beute stehen,  werden nur von Wildbienen besucht. Alles was zu klein ist, oder nicht den besten Reiz hat, wird links liegen gelassen. Sogar der große Kirschbaum in der Nähe, der sonst immer das Highlight war, wird nur nebenbei angeflogen. Der Löwenzahn der nur ein paar Tage massiv blüht, und letztes Jahr einen Flugstau verursachte, wird kaum besucht.

Obstblütenhonig?

Es zieht die Damen zu einer Zwetschke und der absolute Renner sind die Birnenbäume. Dessen Honig soll angeblich sehr köstlich sein.

Leider gibt es den dieses Jahr nicht für uns. Durch den späteren Frühling ist unsere Bienenmasse noch zu klein. Uns fehlen zudem ausgebaute Honigwaben vom Vorjahr. Somit müssen die Bienen ihre Energie und den ersten Ertrag in die Wachsproduktion stecken. Das Wachs benötigen sie um weitere Brutzellen und Honigwaben aufzubauen. Bis sie ausreichend Honig einlagern, blühen die Birnen nicht mehr.

Wieso sind einige Völker nun doch grosser?

 

Der Massenwechsel ist da, und die kleineren Sommerbienen ersetzen nun die Winterbienen. Bei den kleineren Völkern (momentan die Daniels und die Fette) sind noch ein paar Winterbienen zu sehen. Bei den grösseren Völkern (Hammiets und Michis) sieht man sie nicht mehr. Dass die Bienen die draussen sind neu sind, spürt man.

Bei der Fette zählen wir 3 Rähmchen voller Stifte bei der Kontrolle am Mittwoch. Das bedeutet, dass die Königin bis zu 2000 Eier am Tag legt. Das ist deswegen notwendig, um in kurzer Zeit viele Biene zu bekommen

In der Beute gibt es ausreichend Arbeit:

  1. Zuerst kommt die Brutpflege. Bei kleinen Völkern, in denen viele Stifte gelegt wurden, könnte es zu wenigE Bienen geben, die diese Brut pflegen. Das ist ok so lange die Temperaturen hoch sind.
  2. Danach müssen sie neue Rähmchen für die neue Brut und für die Honiglagerung bauen. Wie im Beitrag von vor ein paar Wochen  beschrieben , schwitzen die Bienen Wachs aus ihren Wachsdrüsen. Man kann rechnen, dass ca 10kg Honig benötigt werden, um 1 kg Wachs zu produzieren. Um die Bienen zu unterstützen, geben wir ihnen vorgefertigte Mittelwände aus Bienenwachs.
  3. Dann gilt es Wasser und Nahrung einzusammeln. Damit wird die Brut gepfleg, aber es werden auch bereits Vorräte aufgebauen.

Falls eines dieser Aufgaben nicht ausreichend nachgegangen wird, herrscht ein Ungleichgewicht und das Volk kommt aus der Balance.

Entweder es gibt keinen Platz mehr für neue Brut weil der Platz aufgebraucht ist, oder es gibt zu viel Brut und zu wenige Arbeiterinnen, bei Kälte unterkühlt die Brut und wird krank (Kalkbrut). Um das Risiko etwas zu reduzieren, lassen wir die Windel derzeit noch drin.

Oder es gibt zu wenig frische Nahrung und das Volk hungert.

In den meisten Fällen, wenn ein Volk aus der Balance ist, ist die natürliche Reaktion der älteren Arbeiterinnen/Flugbienen im Volk eine neue Königin zu züchten und in ein paar Wochen mit der Alten aus zu schwärmen und ein neues Volk zu stiften.

Wie geht es weiter?

Wir wollen immer einen guten Eindruck vom Zustand unserer Völker haben. Daher werfen wir alle 10-14 Tage einen kurzen Blick rein. Dann beobachten wir ob und wo Unterstützung notwendig ist (sei es durch extra Bienen, extra Bauarbeit, extra Honigraum). Feststellen lässt sich auch welches Volk unrund ist und ausziehen möchte. Mit unseren 4 Völkern gibt es ausreichend Handlungsspielraum auszugleichen. Unsere geplanten 2 neuen Völker kommen erst gegen Sommer dazu, bis dahin gibt es aber noch einiges zu tun.

 

Zum Schluss zeigen wir noch ein paar Bilder dieser Woche.

 

Stadtmauerhonigbiene auf dem Weg zur Nektarinenblüte
Stadtmauerhonigbiene auf dem Weg zur Nektarinenblüte
Bei etwas angehäufte Erde fliegen roten Mauerbienen ein und aus
Mauerbienen im Erdloch