23.8.2018 Ein Fluchtschwarm will einziehen

Seit Ende Juni ist der Winter vorbereitet. Als Teil der Vorbereitung habe ich am Donnerstag den 23.8. bei allen Völkern eine Durchsicht gemacht. Dann landete einen Fluchtschwarm…

Beim vorletzten Volk (ein Neues: die Eckhardts, mit Königin Hinky: auch noch eine Geschichte, die geschrieben werden möchte), nehme ich den Deckel runter, drehe mich um, um ihn zur Seite zu legen und auf einmal, ein magischer Augenblick… tausende Bienen kreisen friedlich und summen um mich herum…

Der Schwarm

 

Die Bienen, die bereits gelandet sind, stecken alle den Hinterleib in die Höhe und fächern unentwegt mit den Flügeln. Damit wollen sie das Pheromon der Königin für die Nachzügler verteilen. Wo kommen die Damen aber her? Ich sehe auf einmal einen roten Punkt. Da ist eine neue 2018-er Königin. Mist, habe ich es verbockt und ist eine Königin beim Durchschauen ausgeflogen? Ist mir die Hinky, die ich gerade kontrolliert hatte ausgebüxst und hat die Bienen mitgenommen? Aber doch nicht so viele auf einmal. Ein paar Dutzende vielleicht Hundert, ja, aber dieser Menge? So schnell? Und die Bienen sind viel zu ruhig verglichen mit den gereizten Damen, die die Beute verlassen haben, als sie sich von mir gestört fühlen.

Als erstes habe ich schnell den Deckel bei den Eckhardts geschlossen. Falls es die Königin der Eckhards ist, möchte ich verhindern, dass mehr Bienen vom Volk abhauen. Danach die Königin suchen um Klarheit zu haben. Die Hinky hat nämlich ein Glied am Vorderbein zu wenig (daher Hinky), die erkenne ich schnell.

Eine fremde junge Königin

Derweil kommen immer mehr Bienen dazu und landen zwischen den Hammiets und den Michis. Wenn es ein Schwarm von uns ist, werden die sich doch nicht zwischen 2 andere Völker direkt am Stand niederlassen. Eine Traube formt sich unter dem Varroagitter der Michis.

Meine herbeigeeilte liebevolle Frau sieht sie zuerst.

Was für ein Geschenk!

Die Königin ist wahrscheinlich tatsächlich eine neue vom Jahrgang 2018. Sie wurde mit der Zahl 61 am Rücken gekennzeichnet.  Also eine Königin mit Kennzahl drauf, das ist doch nicht in etwa eine junge begattete Reinzuchtkönigin? Da kommt eine Dame in Wert von 50€ mit ein paar kg Bienen zu uns geflogen, just in dem Jahr wo wir so Schwierigkeiten hatten mit der eigenen Königinnenzucht.

Was für ein Geschenk!

Aber wieso jetzt, Bienen schwärmen doch im Frühjahr, nicht im Spätsommer oder im Herbst. Und es schwärmt doch auch keine junge Königin, es ist die alte die normalerweise losfliegt?

Einfangen

Zuerst aber erstmal versuchen Katastrophen zu vermeiden.  Die Königin versucht bei einen der Völker einzuziehen, um dort den Laden zu übernehmen. Das kann nur in einem Gemetzel enden. Wahrscheinlich gewinnt dann die Alte und wir verlieren eine der beiden Königinnen und einen Menge Bienen dabei.

Tatsächlich erscheint sie auf einmal beim Flugbrett der Michis. Schnell handeln ist angesagt: meine Frau hat sofort zugegriffen und die Dame festgenommen.

Die anderen Bienen sind immer auf der Suche nach dem Pheromon ihrer Königin. Daher werden sie dieser in Ruhe folgen, sobald man diese eingefangen hat.

Aber wohin damit?

Unseren Völker am Stand haben wir bereits Anfang August auf eine Zarge eingeengt. Also ist eine leere Zarge schnell gefunden. Da wir nur mit 6 Völker gerechnet haben, fehlt jedoch ein Boden und ein Deckel. Wenn wir eines aus unseren ersten Königinnenzucht Versuchten gelernt haben,  dann ist es dass wir nächstes Jahr Königinnen Kästchen benötigen. Eine Schwarmkiste bräuchten wir jetzt auch noch. Also improvisieren wir ein Not-Auffanglager. Eine leere Futterzarge kopfüber als Einflugschneise, eine andere obendrauf als Deckel. Dann Königin drin und zu machen. Nicht mal 3 Sekunden in Freiheit und bevor das wir es schließen können, fliegt sie wieder weg.

So, also noch einmal einfangen, ein paar leere Brutwaben und eine Futterwabe mit Honigresten in unser Konstrukt hineinhängen und die Königin kommt wieder rein.  Nun klappt es, der vorgetäuschte neuer Nistplatz wird angenommen.

Aus einem Kirschbaum, wo sich offenbar ein Teil des Fluchtschwarms niedergelassen hat, dreht sich ein spiralförmiger sich im Uhrzeigersinn drehender Wirbel an Bienen langsam in die Ersatz Auffangbeute. Bis am Abend sind alle drin.

Ein Fluchtschwarm

Ein Volk schwärmt im Herbst nicht aus Spass an der Sache. Alle Brut mit den notwendigen Winterbienen wird dem sicheren Tod zurückgelassen. Die Zeit fehlt, um anderswo Waben für ein neues Zuhause für den Winter aufzubauen. Es gibt kaum noch Tracht um Wintervorräte anzulegen. Das Volk hat also wahrscheinlich aus Not gehandelt. Das kann man sich so vorstellen: es geht dem Volk am Standort, wo sie sich befinden dermaßen schlecht, dass sie sich sicher sind den Winter nicht zu überleben. Darum lassen sie alles zurück und versuchen anderswo durch zu starten.

Wieso flüchten Bienenvölker?

Es gibt mehrere Gründe wieso Bienenvölker sich an einen sonnigen Herbsttag entscheiden das Zuhause als Fluchtschwarm zu verlassen. Hauptgrund ist, wie so oft wenn was schief läuft, vermutlich ein Fehler des Imkers.

1. Hunger

Ein Grund ist Hunger. Im Sommer müssten sie die Wintervorräte eigentlich komplett angelegt haben. Unsere Bienen produzieren so um die 60 kg Honig pro Volk. Sie brauchen 10-15kg für den Winter. Im Juli/August schleudern wir den größten Teil heraus. Nach dem letzten Schleudern reduzieren wir den Wohnraum des Volkes auf den Winterraum: also von 2 Brutzargen auf eine und alle Honigzargen kommen weg. Eine Vollzarge hat im August so an die 6 Waben Brut und ca. 6-10 kg Honig in den Randwaben. Der Sommer ist trocken, die Tracht geht zu Ende aber es gibt weiterhin viel Brut. Die Bienen verbrauchen jetzt mehr Honig als was eingetragen wird. Die Wochen vorher, könnte der Imker zu viel Honig geschleudert haben, und hat kein oder zu wenig Ersatzfutter gegeben.

Das Volk hungert.

Es kommt in Schwarmstimmung und die hungernden Bienen schicken Kundschafter los, die einen Standort suchen, bei dem sie mehr Nahrung vermuten. Wir haben sofort nach den Umbau und die Woche drauf unseren Völkern Zusatzfutter gegeben, damit sie die Winterreserven aufstocken. Da ist es gut möglich, dass die Kundschafterinnen vom schwärmenden Volk dieses gerochen haben. So könnte es zur Entscheidung gekommen sein, zu unserem Standort um zu ziehen.

2. Krankheit

Wenn sich Krankheiten im Volk verbreiten, kann es sein, dass die Bienen versuchen zu fliehen um mittels eines Neustarts an einem anderen Standort noch ausreichend gesund in den Winter zu gehen.

Seit vielen Jahren kämpfen die Bienen ums Überleben wegen der Varroa Milbe. Bei zu vielen Milben im Volk , kommen aus der Brut kaum noch gesunde Bienen. Das kann ein Grund sein zu fliehen. Da um diese Jahreszeit 70%-80% der Milben in der Brut sitzen, wird so das Milbenproblem erstmal kurzfristig reduziert. Bei einem geschwächten Volk, das ja auch weiterhin mit Milben versehen ist, ist jedoch ohne sofortiger Behandlung das Überleben recht fraglich.

3. Behandlung gegen die Milbe

Um die Milben zu bekämpfen, gibt es mehrere Methoden. Diese bespreche ich in einem Varroabeitrag, der später folgen wird. Eine Behandlung im Sommer ist  z.B. Ameisensäure im Volk verdunsten zu lassen. Die Ameisensäure schädigt die Bienen, viel mehr jedoch sterben die Milben dadurch massenweise ab. Wenn nun durch zu warmes Wetter zu viel der Säure zu schnell verdunstet, leiden die Bienen sehr stark. Dann kann es vorkommen, dass sie versuchen den  Stock zu verlassen.

Was tun?

Wenn der Fluchtschwarm vor Krankheit geflohen ist, fliegen auch viele angesteckte oder kranke Bienen mit im Fluchtschwarm. Viele Bienen, die am Bienenstand landen, werden sich bei unseren stärkeren Völkern einbetteln.

Die Windel der Jucox zeigt Kampfspuren (Flügel, und andere Gliedmassen), wohl nicht alle vom Fluchtschwarm Zugezogenen waren willkommen.

Vergasen und Verbrennen erkrankter Völker

Wir informieren uns was zu tun ist mit den Fluchtschwarm. Ein Profimker empfehlt uns den Schwarm sofort abzuschwefeln (also die Bienen zu töten), um potentielle Krankheiten zu vermeiden. Wir versuchen möglichst viele Bienen vom Fluchtschwarm einzusammeln. Standardprozedur wäre ein Schwefelstäbchen beim Schwarm anzuzünden. Innerhalb weniger Sekunden sterben alle Bienen. Die Reste vom Volk werden dann verbrannt, um alle Erreger zu töten.

Wir sind doch keine Massenmörder?

Naiv wie wir sind, haben wir es nicht übers Herz gebracht und uns eine Alternative überlegt.

Abends als alle Bienen drin waren, haben wir sie nass gespritzt und in einen metallenen Papiermistkübel gegossen. Verschlossen wurden sie mit einem Holzdeckel. Dann kamen sie ohne Nahrung in die sogenannte „Kellerhaft“.

Fluchtschwarm in Kelleraft im Ikea Papierkor

Dort sollten sie ca. 3 Tage hungern. Nach 2 Tagen ungefähr sind die Honigblasen und Darmtrakte leer und somit mögliche Erreger ausgeschieden. Die ersten kranken Bienen sterben und fallen runter. Nach 3 Tagen sind alle kranke und schwächere Bienen gestorben. Überleben tun die gesunden Bienen die den Grundstock für das neue Volk bilden (so zumindest die Theorie).

Wir haben einen Quarantäne Standort bei eine Freundin im Waldviertel gefunden, wo im Umkreis von 6 km keine Bienenstände sind . Damit würde der Fluchtschwarm keine andere Völker anstecken, und es gäbe auch keine Räubereien durch andere Bienenvölker.

Der „billigste“ Honig für ein Volk ist der geklaute Honig. Starke Völker räubern ohne Gnade die Schwachen aus, diese verhungern dann und kommen nicht durch den Winter. Da das Wetter nach der Umsiedlung schlecht war, konnte keine sofortige Stoßbehandlung mit Oxalsäure gegen die Milben erfolgen.

Wie ist es dem Völkchen ergangen?

Im nachhinein, hat das Volk vom Fluchtschwarm wahrscheinlich unter Varroa gelitten. Die Tage nachdem der Schwarm bei uns war, war die Anzahl Varroa Milben auf der Windel bei den Michis und Jucox sehr erhöht. Bei den Michis waren die meisten der 61-er Königin unter der Beute am Anfang gefolgt .

Unseren jüngsten Ableger von Anfang Juli hat fast die Bienenmasse verdoppelt. es scheint dasss viele Bienen vom Fluchtschwarm dort eingezogen sind.
Unser jüngster Ableger von Anfang Juli hat die Bienenmasse über Nacht fast verdoppelt. es scheint, dass sehr viele Bienen vom Fluchtschwarm dort eingezogen sind.

Die Jucox standen am nähsten zum erwähnten Kirschbaum. Dort haben sich wahrscheinlich viele Bienen vom Schwarm erfolgreich eingebettelt…

Als wir 3 Tage später zu unserem geretteten Volk kamen, um vor dem Verschließen der ersten Brutzellen die Varroabehandlung durchzuführen, erwartete uns ein trauriges Bild.

Viele Toten Bienen am quarantène Stand vom Fluchtschwarm
Viele tote Bienen am Quarantäne Stand

Viele Bienen lagen tot vor der Beute. Das deutet auf Milbenbefall oder auf eine Vergiftung, bei der die Bienen kurz vorm Sterben den Stock verlassen. Das gerettete restliche Volk wurde mit Oxalsäure gegen die Varroamilben behandelt. Eine Woche später war es dann jedoch vorbei: Wespen sind über das kleine Volk hergefallen. Alle Futtervorräte waren gewaltsam aufgebrochen und überall lagen am Boden gestückelte Bienen und Wespenteile.

Der Rest vom Brutnest, alles Tod und die Brut verlassen
Der Rest vom Brutnest und die Brut verlassen

Das kleine Brutnest mit etwas verdeckelter Brut war verlassen, keine hat es überlebt 🙁

Im Nachhinein betrachtet, war die Empfehlung bei Fluchtschwärme (schwefeln), so, wie es der Profiimker tun würde, wohl die humanere gewesen… vielleicht hätten wir die junge Königin in einem kleinen Königinnen Kästchen mit ein paar gesunde Bienen noch retten können. Wir wissen es nicht.

09.09.2018 Unsere Honigernte

Insgesamt haben wir unsere 4 Völker bei der Honigernte dieses Jahr 7 mal geschleudert. Das ergab 7 sehr unterschiedliche Geschmacksrichtungen. Da wir im Juni „die Fette“ aufgelöst haben, hatten wir ab da nur mehr 3 Wirtschaftsvölker.

Wann findet die Honigernte statt?

Wir haben Anfang Mai mit der Honigernte begonnen. Durch den späten Winter und die spätere Völkerentwicklung und des sehr schnellen Frühlings ist der meiste Frühlingsblütenhonig von den Bienen selber zum Wabenausbau verwendet worden. Den ersten Honig von Anfang Mai, der mittlerweile fast kristallisiert ist, hat einen herberen Geschmack. Unseren letzte Honigernte haben wir Anfang August gehabt. Danach war die erste Varroa Behandlung der Völker notwendig.

Honigqualität?

Es gibt mehrere Merkmale von Qualität beim Honig. Am wichtigsten für die Haltbarkeit ist die Feuchtigkeit. Wenn noch zu viel Wasser im Honig ist, wird er anfangen zu gären. Der Honig ist dann nicht mehr als Honig verkaufbar. Interessanterweise ist der letzter Honig den wir Anfang August geschleudert haben am feuchtigsten gewesen. Aus Neugierde haben wir diesen zum Teil verwendet, um köstlicher Honigkuchen zu backen und zum ersten mal Met zu brauen. Wir sind schon sehr gespannt, wie der Met schmecken wird.

Wo kann man den Stadtmauerhonig kaufen?

Unseren Honig kann man in verschiedenen Hofläden in der Nähe kaufen. Z.B. bei Blün in Essling oder beim Radls Genussparadies als auch bei unserer Nachbarin in „Andreas Hofladen“ gibt es auserwählte Chargen. Falls du lieber die ganze Vielfalt kosten möchtest und unsere Völker sehen magst, laden wir dich gerne zu einer Verkostung ein.

Bitte dazu eine Email  an uns schreiben.

01.07.2018 Königinnenzucht, das erste mal… schlecht abgeschnitten?

Tja, wie im Bilderbuch oder im Imkerkurs funktioniert es dann doch nicht immer mit der Königinnenzucht. Haben wir vor ein paar Wochen 3 Ableger gemacht und eine Woche vor Vatertag dann noch einen 4. hinzugefügt.

Königinnenzucht und die Statistik

Es gibt mehrere Schritte:

  1. Zuerst bauen die Bienen bei Abwesenheit einer Königin innerhalb von 2 Stunden mehrere Zellen mit Stiften um in eine Weiselzelle.

    Königinnenzucht braucht Weiselzellen auf Bienenrähmchen
    Einen schöne Weiselzelle unten am Rähmchen
  2. Die erste Königin die nach 19 Tagen schlüpft, tötet alle andere ab.
  3. Kurz nach Mittag 4-5 Tage später, sobald das Wetter es erlaubt, geht sie auf Hochzeitsflug. Bei der Rückkehr fangt sie sofort an erste Eier zu legen. Alles logisch, oder? Bei jeder dieser Schritte kann jedoch etwas schief gehen: die Zelle kann kaputt gehen, die Königin wird beim Hochzeitsflug aufgegessen, oder sie findet nach der Begattung den Weg nicht mehr zurück. Durchschnittlich werden  2 von 3 geschlüpften Königinnen erfolgreich anfangen Stifte zu legen.

Wie gut waren wir?

Da kommt dann die harte Wahrheit einer Binomialverteilung ins Spiel… also der Fette hatten wir die Königin genommen und eine Erneuerung induziert. Dann haben wir zusätzlich 4 Ableger gemacht. Also insgesamt 5 neue Königinnen nachgezogen. Aus der erste Runde sind nur 2 befruchtete Königinnen hervor gegangen: also 40%. Da wir jedoch immer wieder Brut reingehängt haben, konnten wir auch beobachten, dass bei den misslungenen Versuchen sofort wieder neue Weiselzellen gemacht wurden. Das hat uns noch eine 3. stiftende Königin Anfang Juli eingebracht, bei nun 8 Versuche.

Erfolgreiche Königin wird gleich markiert
Die neue Königin wird rosa markiert

Letzter Versuch

Obwohl die reproduktiver Phase der Bienen einem Ende entgegen geht, machen wir noch einen letzten Versuch und wir haben noch 2 Völkern frische Brut gegeben. Wenn es klappt, erreichen wir doch die 6 Völker, die wir beim Wintereinbruch gerne hätten.

6? wieso nicht 7?

Nachdem es 2 Mal bei der Fetten nicht geklappt ist, haben wir das Volk nun aufgelöst. Es sind da schätzungsweise noch 40.000 Bienen in der Beute gewesen, jedoch alles ältere Bienen die wohl keinen 3 Wochen mehr leben werden. Also haben wir sie mit einem Ableger, der eine Königin hat, vereint. Dazu leg man Zeitungspapier auf die offene Zarge des Ablegers und stellt das weisellose Volk oben drauf. Nach ein paar Stunden übernehmen die Bienen den Geruch der neuen Königin und das Zeitungspapier wird von den Bienen zerkleinert. Die alten Bienen setzen sich dann sofort in den Dienst des Volkes und sammeln Nektar und Wasser und geben dem jungen Volk einen richtigen Schub. Zumindest in der Theorie ist es alles so einfach. Wenn es schief geht, töten sie die neue Königin ab und es geht es wieder von vorne los.

Wenn es nichts mehr wird?

Weil wir doch spät sind mit der neuen Königinnenzucht, ist es möglich, dass es keine neue Königin mehr gibt. Dann werden wir mit 5 statt mit 6 Völkern in den Winter gehen.

24.06.2018 Erster Ableger zieht aus

Der erste Ableger verlässt uns

Die Kontrolle letzte Woche hat ergeben, dass bei diesem Ableger der Michis alles super gelaufen ist. Die neue Königin ist geschlüpft, sie hat den Hochzeitsflug überstanden und hat den Weg nach Hause gefunden.

Ableger

Statt die Völker schwärmen zu lassen, bevorzugen wir es die Vermehrung kontrolliert ablaufen zu lassen. Dazu haben wir sobald wir eine Scharmstimmung bei den Wirtschaftsvölkern vermutete haben, ganz nach der Methode von Dr Pia Aumeier   je eine Brutwabe gezogen und eine Futterwabe und Mittelwand hinzugehängt, recht früh in der Saison. Es hat in soweit funktioniert, dass die Schwarmstimmung ausgeblieben ist. Da unsere Bienenfreundin namens Bienchen (hallo Bienchen 🙂 ), wie besprochen im Sommerplan einen Standort an einer etwas höher gelegener Lage im Weinviertel hat, haben wir die Michis, die bei etwas kühleren Verhältnissen früher fliegen als Muttervolk ausgewählt.

Drohnen

Da wir bisher keine Varroaspuren gefunden haben und um eine bessere Chance zu haben die Vorteile unserer Genetik zu erhalten, haben wir die Produktion von Drohnen nicht unterbrochen. So haben viele schöne Drohnen in unseren Völkern erhalten. Ein Ziel ist es das Risiko auf unerwünschte Kreuzungen bei neuen Königinnen zu reduzieren.

Wie weiss man ob es geklappt hat?

Bei der Kontrolle, nach etwa 4 Wochen, haben wir bereits ein kleines Brutfeld gesehen mit frischen Stiften der neuen Königin. Da wir noch etwas Bienenmasse bei den Michis reduzieren wollten, haben wir noch ein Rähmchen verdeckelter Brut hinzugefügt. Und schon war unser erster Ableger zum umsiedeln bereit.

Der erste Ableger verlässt uns
Die Tochter der Michis ist ins Weinviertel umgezogen

Am neuem Standort

Das neue Volk hat einen schönen Platz mitten in einem Gehege von verschiedenen Hühnerrassen erhalten. Neben unserem Ableger steht ein Bio-Wirtschaftsvolk sowie ein anderer Ableger. Wie sich herausstellt, war die Königin vom Biovolk ziemlich träge. Da der Ableger jedoch auch noch nicht so richtig in Gange gekommen ist, war auffallend mehr Flugbetrieb bei unserem Ableger als bei den beiden anderen Völker am Stand.

 

17.6.2018 Phacelia

Eine Stadtmauerhonig Biene sammelt fleissig den Nektar der Phacelia Blüten

Woher kommt die Phacelia?

Ursprünglich kommt die Phacelia aus Amerika. Da sie nicht winterfest ist, verdrängt sie in Europa nicht die anderen Arten als Neophyt (siehe Wikipedia).

Eine Stadtmauerhonig Biene sammelt fleissig den Nektar der Phacelia Blüten
Eine Stadtmauerhonig Biene saugt mit dem Mundwerkzeug den Nektar aus einer Phacelia Blüte

Nützen von Phacelia?

Die Pflanze ist nützlich:

  1. als Gründünger und Bodenschutz: durch ihr dichtes Wurzelsystem kann sie die meisten Nährstoffe aus dem Boden herausholen. Nach dem Absterben bei Frost werden diese Nährstoffe über die Pflanzenreste im Folgejahr für andere Pflanzen zur Verfügung gestellt.
  2. Unkrautunterdrückung: durch das schnelle Wachstum und die feingliedrigen Blätter, schafft sie eine fast komplette Bodenabdunkelung.  Damit nimmt sie die Lebensgrundlage für andere kleinere Pflanzen.
  3. Als Kombination aus 1 und 2 ergibt sich ein Erosionsschutz und Herbizid sparender Vorfrucht. Da kein Unkraut durchgewachsen ist, aber liegengebliebenes oberirdisches sowie unterirdisches Pflanzengewebe den Boden schützt, könne frühe Kulturfrüchte, wie Zuckerrüben ohne Bodenbearbeitung hineingesät werden.  Das verhindert, dass wertvoller Humus abdriftet.
  4. Für uns am wichtigsten die Bienenpflanze.

Eine Blüte produziert 0,7 mg honigequivalenten Nektar pro Tag. Angenommen eine Pflanze hat um die 100 Blüten gleichzeitig, und nehmen wir eine Pflanzdichte von 20 Pflanzen pro m² an: dann sammeln alle Bienen momentan von 200m² Phacelia bedeckter Fläche entlang der Auffahrt und im Garten, etwas mehr als ein 250g Honigglas am Tag.  Die Phacelia blüht dieses Jahr seit dem 13 Mai.  Wir versuchen eine Tracht bis Ende Juli aufrecht zu erhalten (3 Generationen in 80 Tagen). Zusammen würde die Phacelia aus unserem Garten somit um die 20 kg Honig bringen. Klingt viel, das meiste jedoch wird von den Bienen selbst für Brut und Bauaktivitäten verbraucht. Es sorgt jedenfalls für eine gute Grundversorgung unserer Bienen. Und nebenbei ergibt sich eine sehr hohe Dichte an Biodiversität, die um die Blüten herum summen und krabbeln.

80 Tage Dauerblühte, wie geht das?

Eigentlich haben wir 3-4 Generationen Pflanzen. Die erste Generation besteht aus Samen aus dem Vorjahr, die am Boden liegengeblieben sind und an den ersten warmen Wintertagen und im Frühjahr ausgekeimt sind. Dieses Jahr jedoch hat der späte tiefe Frost alles  wieder vernichtet.

Wir mähen die Pflanzen nach der Blühte nicht, damit die Samen abreifen können. Ein Teil der Samen behalten wir fürs nächste Jahr. Der Rest der Pflanze kommt auf den Komposthaufen. Im Frühjahr, wenn wir den Kompost verteilen, verteilen wir gleich die Samen, die den Kompostierungsprozess überstanden haben. Damit haben wir dann eine 2. Generation.

Die 3. und 4. Generation sähen wir dann zeitversetzt aus, damit diese dann blühen wenn die ersten beiden Generationen abgeblüht sein. Letzte Aussaat bei uns war am 4.6. wo wir die Blühte Mitte bis Ende Juli erwarten.

 

 

 

10.06.2018 Vatertag, den Drohnen zu Ehre

Der Höhepunkt im Bienenjahr, Vatertag.  In diesen Tagen sind sowohl das Volk, als auch die Anzahl Drohnen im Volk auf ihr Maximum gestiegen.

Die Königin legt bis zu 2000 Eier am Tag und ebenso viele schlüpfen. Arbeiterinnen sind 21 Tage in der Zelle, 20 Tage im Stock und danach noch 20 Tage im Aussendienst sammeln. Hochgerechnet kommt man auf 40.000 Bienen die als Brut wachsen. 40.000 Bienen arbeiten im Innendienst und bis zu 40.000 – 50.000 im Aussendienst. Insgesamt gibt es also bis zu 120.000 Lebewesen, pro Wirtschaftsvolk. Die 4 Wirtschaftsvölker und 4 Ableger, die momentan in Stadtmauerhonig Beuten mit nur ein paar tausend Bienen sitzen, ergeben somit eine halbe Million Bienen auf nicht mal 2 m².

Ein Teil dieser Bienenmasse bringt doch einiges an Unruhe und es gibt sie nur für ein paar Wochen im Jahr: die Drohnen.

Vatertag und die Drohnen

Im Bienenvolk gibt es 3 unterschiedliche Bienenwesen.

  1. Die Königin ist als einzige in der Lage befruchtete Eier zu legen.
  2. Die Arbeiterinnen entstehen aus befruchteten Eier
  3. Die Drohnen: die Königin legt unbefruchtete Eier aus denen sie entstehen. Die Drohnen haben sozusagen nur die DNA der Königin. Deren einziges Ziel ist es bei einem Hochzeitsflug möglichst eine Königin zu finden und bei der Begattung möglichst sehr viel Samen und somit DNA des Drohnenvolkes in einem neuen Volk zu hinterlassen.

Fett, faul und dumm

So hat Nobelpreisträger und Entdecker des Bienentanzes, der Österreicher Karl von Frisch, die Drohnen genannt.

Drohnen Bild zu Vatertag
Fett, faul und dumm, eine Drohne auf eine Brutwabe zu Vatertag

Fett: Wie man am Bild erkennt, sind Drohnen viel größer als die anderen Bienen im Volk.

Faul, da sie keine einzige Aufgabe im Volk übernehmen können. Sie haben nicht mal einen Stachel zum Kämpfen. Sogar noch schlimmer:

Dumm, da sie sogar nicht in der Lage sind, selber Nahrung zu finden und von den Arbeiterinnen gefüttert werden müssen. Von allen Bienen haben die Drohnen das kleinste Gehirn.

 

Fazit: Drohnen haben eine fast komplett parasitäre Existenz im Volk.  Ein typisches Beispiel von evolutionärer Extravaganz, da umso grösser und stärker das Volk, umso mehr und umso fettere Drohnen kann es sich leisten.

Kurze Lebensdauer

Die Drohnen leben nur einige Wochen, die Arbeiterinnen sind immer weniger gewillt die „Männer“ zu pflegen und zu ernähren und irgendwann gibt es dann die Drohnenschlacht. Aber mehr werde ich in ein paar Wochen dazu erzählen, wenn wir dazu Bilder teilen können. Heute ist Vatertag und wir wollen uns etwas ausführlicher dem männlichen Wesens in der Beute widmen. Am Vatertag werden die Drohnen in der Beute noch gut ernährt und kriegen alles was sie brauchen, um kurz nach Mittag für etwas längere Zeit auf der Suche nach unbefruchteten Königinnen auf Hochzeitsflug zu gehen.  Ein reges Treiben herrscht am Flugloch, wenn die Herren losfliegen und gleichzeitig Arbeiterinnen noch am Sammeln sind.

Sex

Den schnellste Tod haben die erfolgreichen Drohnen. Nämlich die, die es schaffen eine Königin zu begatten. Im Flug kommt es zum Geschlechtsakt. Der Drohn penetriert die Königin, seine Geschlechtsorgane reißen aus seinem Körper und er stürzt Tod zu Boden. Die begattete Königin fliegt Heim. Als erstes Willkommensakt putzen sie die Arbeiterinnen, und holen die letzten Reste des Mannes aus der Königin heraus. Wenn es gut geht, hat die Königin bis zu 1,5 Million Samenzellen heimgebracht und wird davon noch einige Jahre Nachkommen zeugen können. Das Schicksal der anderen Drohnen besprechen wir in ein paar Wochen 😉

 

 

03.06.2018 die Revolution bei der Fetten

Wie im ersten Beitrag von Mai beschrieben, gab es deutliche Zeichen, dass die Bienen von der Fetten mit ihrer Königin nicht mehr zufrieden waren, nun hat sich die Revolution vollzogen.

Revolution bei den Bienen?

Unsere Wahrnehmung ist eigentlich ziemlich ethnozentrisch: von unserer Perspektive heraus, betrachten wir die Königin als Kopf des Staates. Die Königin ist wahrlich die am besten gepflegte und geschützte Biene und wird meistens auch die Älteste. Eine Rangordnung im Staat gibt es nicht. Tatsächlich verhält es sich aber so: wenn die Königin nicht die Leistung bringt die das Volk von ihr erwartet, gibt es eine stille Umweiselung. Die Bienen legen Weiselzellen an und ziehen sich aus Eiern, die die Königin selber gelegt hat eine neue Königin gross. Kurz vor dem Schlüpfen der neuen Königin, zieht die alte Königin mit einer Anzahl Bienen entweder aus (Schwarm), oder sie bleibt und wird später schlichtweg umgebracht.

Revolution mit Marsch der Arbeiterinnen zur König und Königin in Versailles
In der Französischen Revolution gab es eine Kehrtwende als die Damen im Marsch auf Versailles die Königsfamilie zum Umzug nach Paris zwang.

 

Stichwahl verschoben?

Anfang Mai haben wir die beiden bestifteten Weiselzellen entfernt, und dadurch 2 Wochen Ruhe erkauft und das Schwärmen verhindert. Am 13.5. war keine Schwarmneigung zu sehen. Weiselzellen waren nicht vorhanden, war es eine trügerische Ruhe?

Am 20.5. stellte sich heraus, dass wir offensichtlich doch zu schnell geschaut hatten:

Da hat sich das Volk wieder sehr stark zu Wort gemeldet und ganze 19 Weiselzellen angelegt, wovon 13 bestiftet, und 2 bereits verschlossen waren. Das Verschliessen von Weiselzellen geschieh erst nach 8 Tagen, also waren die Zellen bereits am 13.5. vorhanden. Das Volk hat entschieden und wollte also die Alter Dame loswerden. Da doch sehr viel Platz im Brutnest leer war, ist unsere Vermutung, dass die Legeleistung und damit einhergehende Pheromonproduktion der Königin zu niedrig war. Das ist ein chemische Reiz  fürs Volk, um sie zu ersetzen. Mehr ausführliche Info findet ihr auf dieser Seite.

Was nun?

Da dieses doch unser bestes Wirtschaftsvolk ist (sehr ruhig und fleissig beim Aufbau und in der Honigproduktion), wollten wir das Volk so lange es geht zusammenhalten und den Honigertrag nicht verlieren.  Wenn uns die alte Königin mit vielen Bienen abgeschwärmt wäre, reduziert sich die Honigproduktion im bleibende Volk drastisch. Auch der Schwarm, falls wir den finden und fangen würden, wird zuerst aufbauen und nichts mehr einlagern wollen/können. Also geben wir dem Volk was es will und versuchen den Schwarmtrieb zu entfernen.

Ableger  Nr. 4

Zuerst haben wir die Chance genutzt und ein Rähmchen mit geschlossenen Weiselzellen und ein Futter-Rähmchen in einen neuen Ableger gestellt. Damit war wieder Bauplatz im Brutraum frei. Um sicher zu gehen, dass das Volk nicht schwärmt, haben wir die Königin, mit Schmerz im Herz, „abgedrückt“ und zu den Bienen gelegt. Damit diese sofort trauern könnten. Sofort wird sie von vielen Arbeiterinnen besucht. Da aber bereits verschlossene Weiselzellen vorhanden sind, ist schnell wieder Ruhe eingekehrt. Die letzten Eier werden groß gezogen, Brut wird ausgebrütet, es wird gebaut und Honig eingelagert.

Die Revolution bei der Fette hat uns einen extra Ableger besorgt
Nach der Revolution haben wir 4 Wirtschaftsvölker und 4 Ableger

Wie geht es weiter?

Wenn alles nach Plan läuft, werden bald beide Prinzessinnen schlüpfen. Die Woche drauf findet dann der Begattungsflug statt. Wenn alles gut läuft, wird die eine Königin das alte Volk weiter „führen“, und die neue wird ein neues Volk gegründet haben.

Im alten Volk wird es dann eine Brutpause von nicht mal 2 Wochen geben. Bis Ende Juni wird die letzte Brut der alten Königin als Nektarsammlerinnen ihre Arbeit aufnehmen, und noch bis Mitte Juli Nektar sammeln gehen. Da die neue Königin nicht sofort mit Hochleistung legen wird, wird das Volk ab Mitte Juni langsam kleiner werden. Falls wir bei den anderen Völkern zu viele Bienen und Brut haben, könnten wir diese dazugeben, um es zu unterstützen.

 

27.05.2018 Die Linde blüht, aber ohne Bienen?

Ja,… der Blitzfrühling geht nun fast in den Sommer über. In der Natur ist die erste grosse Sommertracht, die Linde, bereits in voller Blüte. 4 Wochen zu früh…

Die Linde honigt nicht?

Um für diese Tracht bereit zu sein, wollten wir diese Tage schleudern. Jedoch wurden wir nun überrascht wie schnell die Linde schon blüht. Beim genaueren hinhören stellen wir jedoch fest dass es dort nicht summt? Kein einziger Bestäuber ist auf den Linden.

Ist die Linde giftig für die Bienen?

In mehreren Ländern wird im Sommer oft über Massen von toten Bienen unter den Linden berichtet.  Die Tilia Tomentosa, bei der das beobachtet wird,  ist eine der spätblühenden Linden. In den Regionen wo dies Auftritt ist die Linde oft die späteste Massentracht. Da es aber dann teilweise zu trocken ist, bringt diese zu wenig Nektar. Die Sammlerbienen fliegen vom Duft angezogen hin, verhungern aber wegen zu wenig Nektar, sterben und fallen zu Boden. Dass tritt normalerweise erst Ende Juli auf. In der Tat ist die Linde aber nicht giftig.

Was ist mit den Stadtmauer Honig Bienen, wo sind sie denn?

Die Damen sind voll im Trachtrausch, jedoch nicht bei den Linden. Auf den Flugbrettern kann man auch einige Drohnen sehen.

Was ist denn so köstlich?

Dieser Blitzfrühling war sehr sonderbar. Bis Anfang April Frost, und seit 7 Wochen fast durchgehend über 20°C. Alles hat fast gleichzeitig geblüht. Die Nektarinen und Marillen haben kaum Früchte, da die Birnen bevorzugt wurden (und voll Früchte sind). Trifft das gleiche Schicksal nun auch die Linde? Es riecht gegenüber der Eisdiele IsolaBella so süßlich.  Unser bester Honig hat im letzten Jahr doch auch so geschmeckt?

 

Der Liguster ist es!

Unter die Linde blüht eine Liguster.
Unter den Linden blüht der Liguster. Da fliegen die Bienchen hin.

Und ja, da sind wir fündig. Es summt in Volltracht beim Liguster.

 

Unseren Honig findet ihr im Shop auf www.oegreissler.at.

 

 

20.5.2018 Sambucus nigra meets Apis mellifera carnica oder Honig mit Holunder?

Sambucus nigra klingt wie ein exotischer Cocktail, ist aber der lateinische Name für unsere beliebte schwarze Holunder. Apis mellifera carnica sind dann wieder unsere Honigbienen.

handzeichnung eines Holunder blatt und Blüte
Zeichnung Schwarzer Holunder (Blatt und Blüte) gezeichnet von Mischa Skorecz

Holunder – Honig

Den kann es fast nicht geben. Der Holunder ist hauptsächlich ein Windbestäuber. Deren starker Duft und das üppige Pollenangebot lockt aber auch Insekten zum Bestäuben an. Da die Pflanze aber wenig Nektar produziert, ist kaum möglich mit Honigbienen einen Holunderhonig zu produzieren.

Wie kombinieren?

Wie im Beitrag Anfang Mai beschrieben, ist unser erster Honig ziemlich herb im Geschmack.  Da wir gleichzeitig vom Holunder, der den Beuten Schatten spendet, einen Sirup angesetzt haben, kam die Idee diese beiden zu kombinieren. Statt einen Sirup mit 50% Zuckerwasser zu machen, könnten wir doch auch mal versuchen die Blüten im Honig anzusetzen.

Was spricht dagegen?

Der Honig hatte eine Feuchte von ca 17%. Ab 20% fängt der Honig an zu vergären. Wenn wir nun dem Honig Blüten hinzufügen, könnte es passieren, dass er anfängt zu gären.

Wir haben es trotzdem versucht und das Ergebnis ist eine wahre Gaumenfreude. Zuerst dominiert der Holunder extrem, aber im Ausklang kommt die Süße und auch die vielfältigen herben Noten des Honigs heraus.

Wie darf das Produkt heißen?

Wie man in den AGES  lesen kann, sind die Bezeichnungen in Europa zum Schutz des Konsumenten reguliert. Wir dürfen Honig dann Honig nennen, wenn es reiner Honig ist. Diese Blüten müssen von Bienen gesammelt, eingelagert und getrocknet werden. In anderen Länder, zum Beispiel Honigexportmeister wie China, genügt es wenn die Bienen am Prozess beteiligt waren. Dort wird teilweise der eingesammelte Nektar viel zu feucht geschleudert um höhere „Erträge“ und eine gesteigerte „Produktivität“ zu erreichen. Wenn die Bienen nicht so viel Energie zum Trocknen aufwenden müssen, bleibt mehr zum Einsammeln. Mehr auf welche Art noch gefälscht wird, findet ihr im Kurier Artikel.

Da wir aber die Holunderblüten hinzugefügt haben, ist es wichtig das deutlich zu kennzeichnen. Es sind auch andere Informationen auf dem Etikett zwecks Konsumentenschutz zu vermerken (Nährwertangabe, Allergenkennzeichnung, etc.) .

Kaufen können Sie unseren Stadtmauer Honig beim Ögreissler auf www.oegreissler.at

 

13.05.2018 Ableger machen, Völkervermehrung eingeleitet

Die ergriffenen Maßnahmen von letzter Woche waren erfolgreich. Die Schwarmstimmung ist weg und es wird fleissig gearbeitet. Um den Schwarmdrift noch etwas weiter zu vermeiden, und auch die Reproduktion der Völker an zu leiten, haben wir aus den Völkern unserer Reinzucht Königinnen jeweils einen Ableger gemacht.

Warum Ableger?

Der natürliche Reproduktionszyklus der Bienen hat seinen Höhepunkt Anfang Juni.  In der freien Natur schwärmen die alten Königinnen dann mit der Hälfte der Bienen aus, um das Nest einer neuen Königin und einem neuen Volk zu überlassen. Da dieses Jahr Wetterbedingt sehr schnell ablief, wie in den letzten Wochen beschrieben, sind die Damen viel früher dran.

Ausschwärmen hat einige Nachteile, wie im Beitrag im April beschrieben.    Wir möchten die Vermehrung etwas kontrollierter ablaufen lassen, weil wir bestimmte Merkmale bevorzugen. Das funktioniert sehr gut und einfach mit Ableger. Dazu wählen wir eine Königin aus, die mit bestimmten Eigenschaften ausgestattet ist.

Wer war auserkoren?

Wie im Sommerplan beschrieben wollen wir selber 2 Ableger machen und haben einer befreundete Imkerin auch 2 versprochen.

Unsere Freundin hat einen Stand in etwas höhere Lage im Weinviertel. Wir haben im Herbst und Winter beobachtet, dass die Michis bei kühleren Temperaturen ausfliegen. Auch jetzt im Sommer sind sie Morgens immer noch als erste raus. Das Volk ist auch etwas weniger sanftmütig als die anderen Beiden. Aber da der Hof am Land ist, wird es dort keiner Ärger geben. Wir werden die Linie nicht weiter führen.

Hammiets und Daniels sind ebenso mit dabei, da wir eine Zuchtkönigin haben, deren Erbmaterial doch einiges verspricht. Auffällig war die rasche Frühjahrsentwicklung, aber auch nach Annahme des Honigraums, haben die beiden beachtliche Arbeit geleistet.

Den Erstbuchstaben des Altvolkes haben wir jeweils auf den der neuen Beute geschrieben.

Ableger auf einander gestellt
3 neue Völker übereinander als Ablegerturm

Was ist in einem Ableger drin?

Wir verwenden die Methode von Dr. Pia Aumeier der Ruhr Uni Bochum. Die Ableger haben wir jetzt Mitte Mai aus einem Rähmchen mit Brut entnommen, jeweils eine leere Mittelwand zum bauen hinzugefügt, und ein Futterrähmchen eingesetzt.

Wie geht es weiter?

Die Arbeiterinnen werden eine Königin vermissen und innerhalb von 2 Stunden aus mehreren bestifte Zellen, Weiselzellen machen. In 2 Wochen wird dann eine Königin schlüpfen (am Tag 16 bei uns am 28-29 Mai) , 9-10 Tage später geht sie auf Begattungsflug, dass erwarten wir am 7. Juni.  Mehr dazu dann in den kommenden Wochen.